Die Feiertags-Betäubung: Warum wir Alkohol feiern und Perspektivwechsel fürchten

Symbolbild

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Morgen ist es wieder so weit. Ein Feiertag steht an, und wer in diesen Tagen einen Blick in die Supermärkte und Discounter wirft, sieht jedes Jahr dasselbe, verstörende Ritual: Kisten- und kartonweise Bier, Wein und Schnaps rollen über die Kassenbänder. Es wird eingekauft, als stünde das Ende der Welt bevor. Die bittere psychologische Wahrheit dahinter ist jedoch eine ganz andere: Die Mehrheit der Bevölkerung kennt für die Freizeitgestaltung nur ein einziges Werkzeug, die Betäubung.

Freizeit bedeutet für viele nicht mehr Entspannung oder Neugier, sondern abschalten. Und Abschalten funktioniert in unserer Gesellschaft fast ausschließlich über Alkohol. Das ist kein Zufall, sondern ein kulturelles Muster, das sich über Jahrzehnte eingebrannt hat.

Vom Osten in den Westen: Die gesamtdeutsche Illusion

Ich habe als Kind in der DDR gesehen, wie exzessiv gesoffen wurde. Alkohol war das Ventil für ein Leben, in dem man wenig selbst bestimmen konnte. Nach der Wende dachte ich, im Westen sei das anders. Aber das war eine Illusion. Der Westen war nur schöner verpackt. Die gesamtdeutsche Alkoholkultur hat sich seit Jahrzehnten keinen Millimeter bewegt.

Das zeigt sich nirgends deutlicher als in der Politik. Seit Jahren wird die Tabaksteuer regelmäßig erhöht. Aber an die Alkoholsteuer traut sich niemand heran. Warum? Weil Alkohol in Deutschland als unantastbares Kulturgut gilt. Er ist der soziale Kitt, auch in der Politik selbst. Alkohol macht die Menschen angepasst, gesellig und dämpft den Verstand. Er hält die Menschen im System.

Cannabis, Alkohol und die Angst vor der Wahrheit

Ich spreche hier nicht aus der Theorie. Ich habe 23 Jahre lang exzessiv Cannabis konsumiert. Ich weiß, wie es ist, abhängig zu sein, und ich weiß, wie es ist, als Ersatz zum Alkohol zu greifen, wenn alles schief läuft. Es hat vier Jahre harten Entzug und innere Arbeit gekostet, um da herauszukommen. Erst dadurch habe ich echte Stabilität gefunden.

Deshalb bewerte ich die gesellschaftliche Debatte nicht nach moralischen, sondern nach echten Maßstäben. Alkohol und Cannabis sind beide Drogen, aber sie wirken fundamental anders. Alkohol macht eng, dumpf und impulsiv. Cannabis hingegen kann und das ist keine Verherrlichung, sondern eine Beobachtung, den Autopiloten im Kopf unterbrechen. Es erzwingt regelrecht einen Perspektivwechsel. Man fängt an, sich selbst und seine Muster von außen zu betrachten.

Und genau davor hat die Politik Angst. Ein Mensch, der seine Perspektive wechselt, der plötzlich anfängt zu reflektieren, ist schwerer manipulierbar. Deshalb wird Cannabis verteufelt und Alkohol gefeiert. Betäubung ist politisch erwünscht, Bewusstsein ist unbequem. Wer konsumieren will, wird es tun, Verbote sind eine Illusion. Aber wenn wir ehrlich wären, müssten wir aufhören, ideologische Lebenslügen zu pflegen, und Drogen rein nach ihrem tatsächlichen Schaden fair behandeln.

Der Bogen um den Scheißhaufen

Doch die meisten Menschen wollen diese Klarheit gar nicht. Sie verbleiben lieber in ihrem Frust. Es ist, als würde man jede Nacht um seinen Block spazieren gehen, in jeder Runde absichtlich in denselben Scheißhaufen treten und sich danach lauthals darüber aufregen, dass die Schuhe stinken, anstatt einfach mal einen Bogen um den Haufen zu machen.

Der Bogen würde nämlich Aufmerksamkeit und Energie erfordern. Das Jammern hingegen ist die Komfortzone. Es ist der gesellschaftliche Klebstoff in Deutschland geworden. Man regt sich gemeinsam über die Politik, den Chef oder das Wetter auf, ändert aber absolut nichts an seiner eigenen Situation. Und um diesen sinnlosen Kreislauf am Montag wieder von vorn zu ertragen, müssen am Feiertag die Schnapsregale geplündert werden.

Einfach nach vorn gehen

Man kann Probleme nicht lösen, wenn man nur auf den Dreck starrt. Man muss sich am Positiven orientieren, um überhaupt eine Zugkraft für Veränderung zu entwickeln.

Ich hatte vor zwei Jahren eine AfD-Flagge auf dem Balkon hängen. Ein älterer Nachbar maßregelte mich damals aggressiv dafür, ich wisse gar nicht, was ich da tue. Heute treffen wir uns auf dem Flur. Er zieht ein Miesepetergesicht und meckert über alles. Ich lächle ihn an, mache einen Witz und sage ihm, er soll doch mal die Perspektive wechseln. Und was erzählt er mir? Er schaut sich heute selbst Videos von Alice Weidel an.

Warum das passiert ist? Nicht, weil ich mit ihm gestritten habe. Sondern weil ich einfach bei meiner Wahrheit geblieben bin. Wenn man ohne Angst nach vorn geht, ehrlich und klar ist, dann merken instabile Menschen das. Sie reiben sich erst daran, aber irgendwann folgen sie der Haltung, weil sie selbst keine haben.

Wir müssen aufhören, uns unbegründeten Ängsten hinzugeben, uns in politische Hysterien treiben zu lassen oder uns jedes Wochenende zu betäuben. Man muss einfach nach vorne gehen. Ohne Panik, ohne Jammern, aber mit ganz klarem Bewusstsein.

 

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