
Symbolbild
Ein bedeutender Teil der MAGA-Bewegung, auf die Donald Trump politisch setzt, speist sich aus einem tiefreligiösen Milieu. Um dessen Unterstützung zu sichern, greifen zentrale Figuren im Umfeld des Präsidenten immer wieder auf eine Rhetorik zurück, die den Schutz von Christen, des Christentums und des katholischen Glaubens beschwört.
Auch die bedingungslose Unterstützung Israels wird in diesem politischen Lager häufig religiös aufgeladen und nicht nur strategisch begründet. Besonders sichtbar ist das bei Figuren wie Pete Hegseth, der mit seiner demonstrativen Symbolik und martialischen Selbstdarstellung immer wieder Assoziationen an Kreuzzugsrhetorik und christlichen Eroberungsmythos bedient.
Noch direkter arbeiten in den USA, teils auch im Umfeld des Militärs, Pastoren und Aktivisten aus dem Spektrum des sogenannten christlichen Zionismus. Sie vertreten die Vorstellung, die Rückkehr der Juden ins Heilige Land und die israelische Kontrolle darüber seien Teil göttlicher Prophetie und Voraussetzung für die Wiederkunft Christi. Aus einer politischen Frage wird so ein heilsgeschichtlicher Auftrag.
Zu den prominentesten Vertretern dieses Milieus zählen:
Diese Personen stehen nicht nur für einzelne Meinungen, sondern für eine gewaltige Lobby- und Mobilisierungsinfrastruktur. Allein CUFI zählt Millionen Unterstützer und ist damit zahlenmäßig weit größer als klassische pro-israelische Lobbyorganisationen aus dem jüdischen Spektrum. Der Mechanismus ist schlicht: Diese Netzwerke liefern Stimmen, Spenden, Öffentlichkeit und Druck und Politiker tragen ihre Narrative in Parlamente, Medien und Institutionen.
Das hat gravierende Folgen. Denn sobald Außenpolitik nicht mehr als Feld von Interessen, Abwägungen und Diplomatie behandelt wird, sondern als Bereich heiliger Pflicht, verändert sich die Logik vollständig. Wenn Krieg als Teil göttlicher Prophetie erscheint, wird Kompromiss zur Schwäche, Diplomatie zum Verrat und Deeskalation zur Sünde.
Genau darin liegt die Gefahr des christlichen Zionismus in der US-Politik: Er verschiebt die Debatte aus dem Bereich der Realpolitik in den Bereich der Erlösungsfantasien. Und Wo religiöse Endzeiterwartung Außenpolitik bestimmt, wird Frieden nicht mehr als Ziel betrachtet, sondern als Hindernis. Der Krieg erscheint dann nicht als Scheitern der Politik, sondern als Vollstreckung eines vermeintlich göttlichen Plans.